Heinrich und Thomas Mann

Die Brüder, nicht das, was Migranten der ersten Generation sein sollten
Heinrich Mann ist nicht imstande, sich in die Gesellschaft zu integrieren, bleibt außen vor, findet keine Möglichkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Kurz, er ist genau der Migrant, der selbst die Mindestanforderungen an einen Migranten der ersten Generation nicht erbringt.

Thomas Mann ist anerkannt, verdient gut, ist Anlaufstation für die vielen, die nicht zurechtkommen. Dennoch hält es seine Kinder (die zweite Generation) nicht im Lande. Sie gehen nach Europa zurück.

Weshalb? Weil Thomas sein Deutschland stets mit sich trägt, sich als der Vorbilddeutsche empfindet, von dem die Nation lernen kann. Golo Mann geht zurück nach Deutschland, weil er fühlt, dass er nur dort die Möglichkeit hat, selbstbestimmt dem zu leben, was er als seine Berufung erkannt hat: Bücher zu schreiben. Auf Englisch hält er Vorlesungen, schreibt er Aufsätze, auch eine Rezension unter dem Namen von Thomas Mann, der nur einen Satz besteuert.
So gut er gesellschaftlich integriert ist, Thomas hindert seine Kinder daran, in den USA Wurzeln zu schlagen.

Vorgeschichte
Die Ausgangssituation
Heinrich, der Ältere, der Politische, der früh schon Sympathien für den Westen entwickelt.
Thomas, der als Juniorpartner mit Heinrich Italien bereist, der seine sexuelle Orientierung verbergen muss (Moral der Zeit).

Der Umschlag
Mit den Buddenbrooks legt Thomas das große Werk vor, das Heinrich nie erreichen kann.
Als sie ins Exil gehen, Heinrich in Frankreich zwar unglücklich, aber noch in feinen Unterkünften.
Und dann die Flucht über die Pyrenäen. Den anderen Klotz am Bein, gezogen und geschoben. Das Leben gerettet.

In den USA
Thomas ist bekannt, anerkannt, wird von einer reichen und einflussreichen Mäzenin unterstützt, auch wenn sie ihm auf die Nerven geht.
Heinrich ist abgeschnitten von seinem literarischen Milieu, seine neusten Werke finden keinerlei Anerkennung. Geld bezieht er vor allem von der KPdSU, ist aber politisch naiv genug, zu glauben, dass es Tantiemen für den Verkauf seiner Werke in der Sowjetunion wären. Ist bald auf die Unterstützung seines Bruders angewiesen. Gerät durch seine alkoholsüchtige Frau immer wieder in Peinlichkeiten und Schwierigkeiten, kann aber ohne sie nicht sein.

Zum Umfeld
Marianne Krüll : "Im Netz der Zauberer"  über die Mann-Familie

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