30 August 2016

Die verschleierte Hofdame Schmerzensreich bittet um Don Quijotes Beistand

Eine Hofdame, die Gräfin Dreischleppina, bittet um Don Quijotes Beistand.
[...] Hinter ihnen kam die Gräfin Dreischleppina, welche der Stallmeister Dreischleppino mit dem weißen Bart an der Hand führte, in den feinsten schwarzen Boi gekleidet; der Schwanz ihres Kleides oder die Schleppe, oder wie man es nennen will, war in drei Zipfel geteilt, welche drei Pagen, ebenfalls in Trauer, in ihren Händen hielten, wodurch mit den drei spitzen Winkeln, welche die drei Zipfel bildeten, eine seltsame mathematische Figur entstand, die alle, welche die spitzzipflige Schleppe sahen, auf den Gedanken brachte, daß sie sich deshalb die Gräfin Dreischleppina nenne, welches soviel heißen sollte als: die Gräfin von den drei Schleppen; auch sagt Benengeli, daß diese Vermutung gegründet sei und daß sie mit ihrem eigentlichen Namen die Gräfin Wolfuna geheißen habe, weil es in ihrer Grafschaft viele Wölfe gegeben, und daß, wenn diese Wölfe Füchse gewesen wären, sie sich die Gräfin Fuchsuna genannt hätte, weil es in jenen Ländern Sitte ist, daß die Gebieter von den Gegenständen, die in ihren Staaten am häufigsten sind, den Namen entlehnen; diese Gräfin aber, um die neue Mode ihrer Schleppe zu begünstigen, ließ den Namen Wolfuna fahren und nannte sich Dreischleppina.[259] Die zwölf Dueñas und die Gräfin kamen langsam wie eine Prozession herbei, die Gesichter mit schwarzen Schleiern bedeckt, die aber nicht so durchsichtig waren wie der des Dreischleppino, sondern so dicht, daß gar nichts hindurchschimmern konnte. Sowie der lange Dueñenzug völlig eingetreten war, standen der Herzog, die Herzogin und Don Quixote auf sowie alle, die die weitläuftige Prozession wahrnahmen. [...]

Der Bericht der Hofdame in Auszügen

»In dem berühmten Königreiche Candaya, welches zwischen der großen Trapobana und dem Mar del Zur liegt, zwei Meilen hinter dem Vorgebirge Comorin, war die Königin Doña Maguncia Herrscherin, die Witwe des Königs Archipiela, ihres Herrn und Gemahls, mit dem sie in der Ehe die Infantin Antonomasia, die Erbin des Reichs, erzeugt hatte, welche eben genannte Infantin Antonomasia unter meiner Aufsicht und Obwaltung erwuchs, da ich die älteste und vornehmste Dueña ihrer Mutter war. Es geschah nun, indem Tage gingen und Tage kamen, daß das Kind Antonomasia das Alter von vierzehn Jahren erreichte und eine so vollkommene Schönheit wurde, daß die Natur nichts Vollendeteres hervorbringen konnte. Ich muß aber zugleich sagen, daß ihr Verstand ausgesucht war; sie war so verständig wie schön, und sie war die Schönste in der Welt; und ist es noch, wenn die neidischen Götter und die grausamen Parzen nicht den Faden ihres Lebens zerschnitten haben; dies ist aber wohl nicht geschehen, denn der Himmel kann unmöglich zugeben, daß der Erde ein so großes Leid widerfahre wie dieses, wenn man die unreife Traube des schönsten Weinstockes mit der Wurzel ausreißen wollte. In diese Schönheit, welche meine unwürdige Zunge niemals genug erheben kann, verliebte sich eine unendliche Zahl von Prinzen, [...]
(Einer der Verliebten versucht die Hofdame für sich zu gewinnen, um Zugang zur Prinzessin zu erhalten.)
Süße Feindin, du willst schlagen
Todeswunden meinem Herzen,
Und daß sie so tiefer schmerzen,
Soll ich leiden, doch nicht klagen.


Jedes Wort schien mir eine Perle und seine Stimme Zuckerkant, und von nun an, ich meine seitdem, da ich das Unheil eingesehen habe, in welches ich durch diese und ähnliche Verse verfiel, bin ich der Meinung, daß aus guten und wohl eingerichteten Staaten die Poeten vertrieben werden müßten, wie Plato geraten hat, wenigstens die wollüstigen, die Reime schreiben, nicht wie die des Marques von Mantua, welche Kinder und Weiber ergötzen und weinen machen, sondern dergleichen Subtilitäten, die wie süße Dornen in die Seele dringen, wie Blitzstrahlen uns im Innersten verwunden, ohne die Kleider zu verletzen. Ein andermal sang er:


Nahe, Tod, mit leisem Schweben,
Ohne fühlen dich zu lassen,
Daß nicht Freude zu erblassen
Mich von neuem stärkt zum Leben.


Und noch mehr dergleichen Verschen und Weisen, die gesungen bezaubern und geschrieben entzücken. Wie aber, wenn sie sich gar herablassen, eine Art Verse zu machen, die damals in Candaya üblich waren und die man Seguidillas nannte? Da entstand vollends ein Hüpfen der Seele, ein Aufjauchzen des Gelächters, eine Unruhe des Körpers und, mit einem Wort, ein Zittern und Tanzen aller Sinne. Daher sage ich, meine Gnädigsten, daß man dergleichen Reimer mit Recht auf die Eidechseninseln verbannen sollte. [...]
Jawohl, ich Unglückselige! Nicht seine Verse, sondern meine Einfalt brachten mich zum Weichen; nicht seine Gesänge machten mich nachgiebig, sondern mein Leichtsinn; meine große Unklugheit und meine geringe Vorsicht öffneten den Weg und hoben dem Don Clavijo – denn das ist der Name jenes Ritters – allen Anstoß aus seiner Bahn; und da ich nun die Vermittlerin war, befand er sich einmal und öfter in dem Gemach der durch mich und nicht ihn hintergangenen Antonomasia, unter dem Titel eines wirklichen Gemahls; denn so sehr ich mich auch vergangen habe, hätte ich es doch nicht zugegeben, daß er, ohne ihr Mann zu sein, nur die Spitze von der Sohle ihrer Schuhe berührt hätte; nein, nein, ei bewahre! Ehestand muß in jedem Geschäfte vorangehen, in welches ich mich einlassen soll. Nur ein Unglück war bei diesem Handel, nämlich die Ungleichheit des Standes, daß Don Clavijo nur ein gewöhnlicher Ritter war und die Infantin Antonomasia, wie schon gesagt, die Erbin des Reichs. Diese Intrige blieb einige Zeit durch meine schlaue Klugheit verborgen und geheimgehalten, bis es mir schien, sie würde durch eine gewisse Geschwulst am Bauche der Antonomasia bekannter werden, aus welcher Besorgnis wir drei eine Beratschlagung anstellten, woraus sich ergab, daß, bevor dieser Handel an das Licht kommen sollte, Don Clavijo von dem Vicarius die Antonomasia zu seiner Frau begehren sollte, kraft einer Schrift, welche die Infantin ausgestellt hatte, seine Gemahlin zu sein, und die vermöge meiner Klugheit so kräftig und bindend war, daß Simson sie selber nicht hätte zerreißen können. Dies geschah mit aller Sorgfalt; der Vicarius sah die Schrift, derselbe Vicarius ließ die Prinzessin beichten; sie beichtete alles, und er gebot ihr, die Schrift bei dem obersten Alguazil, einem sehr geehrten Manne, niederzulegen.«
Jetzt sagte Sancho: »Also auch in Candaya gibt es Alguazils, Poeten und Seguidillas? Jetzt will ich darauf schwören, es ist allenthalben in der Welt ein und dasselbe; aber eilt auch, meine gnädige Frau Dreischleppina, denn es ist schon spät, und ich sterbe fast, das Ende dieser langen Geschichte zu erfahren.«

»Das will ich tun«, antwortete die Gräfin.
(Cervantes: Don Quijote 2. Teil, 9.Buch 5. Kapitel)

Der geneigte Leser hat vermutlich noch Sancho Pansas unerträglich ausgesponnene Geschichte in Erinnerung, die Don Quijotes Geduld überbeanspruchte, und gönnt Sancho Pansa, dass ihm mit gleicher Münze heimgezahlt wird. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Sancho Pansa schreibt an seine Frau

[...] Worauf Sancho antwortete: »Gebe mir Eure Hoheit eine Geißel oder einen passenden Strick, so will ich mich damit schlagen, doch muß es nicht zu übermäßig schmerzen, denn Euer Gnaden muß wissen, daß, ob ich gleich nur ein Bauer bin, meine Haut doch mehr von der Seide als vom Holze an sich hat und daß es unverständig wäre, mich zum Besten eines andern zu martern.« »So sei es«, antwortete die Herzogin, »ich will Euch morgen eine Geißel geben, die gerade für Euch passen wird und sich so für Eure zarte Haut schicken soll, als wenn beide leibliche Geschwister wären.« Worauf Sancho sagte: »Wisse Eure Hoheit, meine allerliebste gnädige Frau, daß ich einen Brief an meine Frau Therese Pansa geschrieben habe, worin ich ihr alles erzähle, was sich mit mir zugetragen hat, seit ich von ihr bin; ich habe ihn hier im Busen, es fehlt weiter nichts daran als die Aufschrift; ich wünschte, daß Eure Verständigkeit ihn läse, denn ich glaube, daß er ganz statthalterisch klingt, ich meine, wie ihn die Statthalter schreiben müssen.« »Und wer hat ihn unterzeichnet?« fragte die Herzogin. »Wer soll ihn unterzeichnet haben als ich armer Sünder«, antwortete Sancho.
»Und habt Ihr ihn geschrieben?« fragte die Herzogin.
»Nicht daran zu gedenken«, antwortete Sancho, »denn ich kann weder lesen noch schreiben, aber wohl unterzeichnen.«
»Laßt ihn sehen«, sagte die Herzogin, »denn ich bin versichert, daß Ihr darin die Eigentümlichkeit und Größe Eures Genies offenbaren werdet.«
Sancho holte einen offenen Brief aus dem Busen, die Herzogin nahm ihn und sah, daß er folgendes enthielt:

Brief des Sancho Pansa an Therese Pansa, seine Frau 

 Haben sie mir tüchtige Schläge gegeben, so geschah mir nur, was dem tüchtigen Ritter zukömmt; habe ich eine Statthalterschaft, so kostet sie mich tüchtige Schläge. Das wirst Du nicht verstehen, liebe Therese, für jetzt; ein andermal wirst Du es einsehen. Du mußt wissen, Therese, daß ich entschlossen bin, Du sollst in Kutschen fahren, denn darauf kommt es jetzt an, denn beim Gehen fährt man übel, und es ist nur hundemäßig. Frau eines Statthalters wirst Du, nun gib acht, daß sie Dich nicht unter die Füße treten. Hier schicke ich Dir ein grünes Jagdkleid, das mir die gnädige Herzogin geschenkt hat; schneid es so zu, daß unsere Tochter Rock und Leibchen daraus kriegt. Don Quixote, mein Herr, wie ich mir hierzulande habe sagen lassen, ist ein gescheiter Narr und ein lustiger Dummkopf, und ich bleibe ihm auch darin nichts schuldig. Wir sind in der Höhle des Montesinos gewesen, und der weise Merlin hat auf mich sein Auge geworfen, wegen der Entzauberung der Dulcinea von Toboso, die haußen bei uns Aldonza Lorenzo heißt. Mit dreitausendunddreihundert Streichen weniger fünf, die ich mir geben soll, wird sie so entzaubert wie die Mutter, die sie geboren hat. Sage kein Wort davon an niemanden, denn fragt man sich nach um so etwas, so sagt der eine, es ist weiß, und der andere, es ist schwarz. Innerhalb etlichen Tagen werde ich zur Statthalterei abgehen, wohin ich mich mit dem sehnlichen Wunsche begebe, Geld zu machen, denn man hat mir gesagt, daß alle neuen Statthalter mit dem nämlichen Wunsche abgehen; ich werde die Gelegenheit besehen und Dir Nachricht geben, ob Du zu mir kommen sollst oder nicht. Der Graue ist gesund und empfiehlt sich Dir vielmals, ich lasse ihn nicht, und wenn sie mich auch zum Großtürken machten. Die Herzogin, meine Gebieterin, küßt Dir tausendmal die Hände, tu Du es zur Antwort zweitausendmal, denn es gibt kein Ding, das so wenig kostet oder so wohlfeil ist, wie mein Herr sagt, als die höflichen Redensarten. Es hat Gott nicht gefallen, mir ein neues Felleisen mit neuen hundert Dukaten zu schenken, wie das von damals; aber sei nicht betrübt, liebe Therese, denn wer das Kreuz hat, der segnet sich damit, und die Statthalterschaft muß den Kohl wieder fett machen; nur bekümmert mich das sehr, daß man mir sagt, hätte ich es einmal gekostet, so würde ich die Hände darnach fressen, und wenn dem so wäre, so käme es mir teuer zu stehen, wenn auch die Verstümmelten und Krüppel in den Almosen, die sie betteln, ihre Pfründe finden, so daß auf dem einen oder dem anderen Wege Du reich und glücklich werden mußt. Gott verleihe es Dir, wie er kann, und erhalte mich, um Dir zu dienen. 

Auf diesem Schlosse,
                                                 am 20. Julius, im Jahre 1614.
                                                                                                          Dein Mann, der Statthalter 
                                                                                                          Sancho Pansa 

Als die Herzogin den Brief zu Ende gelesen hatte, sagte sie zu Sancho: »In zwei Dingen weicht der gute Statthalter etwas von der rechten Straße ab: zuerst, daß er sagt oder doch zu verstehen gibt, er habe die Statthalterschaft für die Streiche bekommen, die er sich noch zu geben hat, da er doch weiß – was er gar nicht leugnen kann –, daß damals, als der Herzog, mein Herr, sie ihm versprach, man es sich noch nicht träumen ließ, daß es Schläge in der Welt gäbe; und zweitens, daß er sich sehr geizig zeigt, es wäre aber nicht gut, wenn wir die Katze für den Hasen kauften, denn zu viel zerreißt den Sack, und ein geiziger Statthalter wird immer nur ein sehr unstatthaftes Recht handhaben.«
»Ich habe es nicht so gemeint, gnädige Frau«, antwortete Sancho, »und wenn Eur Gnaden meint, daß der Brief die Art nicht hat, die er haben soll, so darf ich ihn nur zerreißen und einen andern schreiben, wo es sich aber fügen kann, daß er noch schlimmer wird, wenn er bloß aus meinem Hirnkasten herauskommen soll.«
»Nein, nein«, versetzte die Herzogin, »er ist gut so, und ich will, daß ihn der Herzog sehen soll.«
(Cervantes: Don Quijote 2. Teil, 9. Buch 3. Kapitel)

19 August 2016

Don Quijote wird ein Mittel vorgestellt, wie Dulcinea von Toboso entzaubert werden könne

Nach dem Takte der anmutigen Musik sahen sie einen sogenannten Triumphwagen sich näher kommen, von sechs grauen Maultieren gezogen, die mit weißen Leinendecken behängt waren; auf jedem Tiere saß ein Büßender, ebenfalls in Weiß gekleidet, mit einer großen brennenden Wachsfackel in der Hand. Der Wagen war zwei-, ja dreimal größer als die vorigen, und auf den Seiten, wie oben, befanden sich noch zwölf Büßende, so weiß wie der Schnee, alle mit ihren brennenden Fackeln, ein Anblick, der zugleich verwunderte und erschreckte. Auf einem erhabenen Thron saß eine Nymphe, die in viele Schleier von Silberstoff gehüllt war, durch welche unendlich viele goldene Folioblättchen blinkten, wodurch ihre Kleidung, wenn nicht kostbar, doch glänzend erschien; das Gesicht war mit einem feinen und durchsichtigen Zindel verhängt, so daß, ohne ihr Antlitz zu verbergen, man das Gesicht einer sehr schönen Jungfrau wahrnehmen konnte, ja die vielen Lichter machten es möglich, ihre Anmut sowie ihr Alter zu unterscheiden, welches dem Anschein nach die zwanzig noch nicht erreicht, aber auch nicht unter siebzehn stand. Neben ihr befand sich eine Figur, in einen weiten Talar gewickelt, der ihr bis zu den Füßen reichte, den Kopf in einen schwarzen Schleier verhüllt. Als dieser Wagen der Herzogin und Don Quixote gegenüberstand, verstummte sogleich die Musik der Flöten, Harfen und Lauten, die auf dem Wagen gespielt wurden, die Gestalt mit dem Gewande erhob sich, schlug es von beiden Seiten zurück und nahm den Schleier vom Angesichte hinweg, worauf man deutlich sah, daß es die Gestalt des Todes selbst war, entfleischt und entsetzlich, worüber Don Quixote zusammenfuhr und Sancho erschrak, auch die Herzoge einen Ausdruck von Grauen zeigten. Als sich dieser lebendige Tod aufrecht gestellt hatte, sprach er mit schläfriger Stimme und eben munterer Zunge folgendes:


Ich bin Merlin, von welchem die Geschichten
Erzählen, daß der Teufel mich erzeugte
(Wie unwahr, von den Zeiten doch bestätigt),
Fürst und Beherrscher jeglicher Magie,
Archiv der Wissenschaft des Zoroaster,
Ein Kämpfer mit den Jahren und den Zeiten,
Die sich bemühn, die Taten auszulöschen
Von jenen irrenden hochherz'gen Rittern,
Zu denen ich Freundschaft und Liebe trage.


Und obwohl sonst der andern Zauberer,
Der andern Mager oder Magier
Gesinnung pflegt hart, rauh und wild zu sein,
So ist die meine sanft und zart und lieblich,
Und wünscht nur Gutes aller Welt zu tun.


In Ditis dunkelvollen Höhlungen,
Wo meine Seele Unterhaltung fand,
Gewisse Kreis' und Linien zu entwerfen,
Traf mich die Klagestimme von der schönen
Und hohen Dulcinea von Toboso;


Ich sah ihr Unglück, die Bezauberung
Und die Verwandelung aus feiner Dame
In Bauerndirne; dieses ging mir nah,
Und schließend meinen Geist ein in die Leere
Von diesem furchtbarn scheußlichen Gerippe,
Nachdem ich aufschlug hunderttausend Bücher
Von meiner niederträcht'gen Teufelskunst,
Komm ich, zu künden, was vermitteln kann
Dies große Leiden, Unheil übergroß.


O Glorie du, Ruhm aller, die sich kleiden
Mit stählernem und diamantnem Rock,
Leuchtturm und Licht, Wegweiser, Stern und Führer
Von allen, die, verlassend trägen Schlaf
Und müß'ge Federn, auszuüben sich
Bereiten jenes äußerst harte Handwerk
Der blutbedeckten, schweren Last der Waffen;

Dir sag ich, Held, dir, nimmermehr genug
Gepriesen nach Verdienst, dir, tapferer
Und minder nicht verständ'ger Don Quixote,
Du Glanz la Manchas, du Gestirn Hispaniens:
Daß, in den vor'gen Zustand zu versetzen
Die hohe Dulcinea von Toboso,
Es nötig tut, daß dein Stallmeister Sancho
Sich geb dreitausendunddreihundert Streiche
Auf seinen beiden mächt'gen Hinterteilen,
Der Luft entblößt, und zwar auf solche Weise,
Daß sie ihn schmerzen, kränken und verdrießen.
Nur dadurch kann man sie des Leidens, stimmen
Die Stifter alle überein, entled'gen,
Und dies war meine Botschaft, meine Gnäd'gen.


»So soll mich!« rief jetzt Sancho, »kein Gedanke an die dreitausend Hiebe, ja nicht drei will ich mir geben, sowenig wie drei Dolchstiche. Hol doch der Teufel diese Art zu entzaubern! Ich weiß doch nicht, was mein Hinterer mit den Bezauberungen zu tun hat. So wahr Gott lebt, wenn der Herr Merlin keine andere Art ausgefunden hat, die Dame Dulcinea zu entzaubern, so kann sie sich nur verzaubert begraben lassen.«
»Ich will dich nehmen«, rief Don Quixote, »du Don Halunke, und dich an einen Baum binden, nackt, wie dich deine Mutter geboren hat, und, hörst du, dir nicht dreitausendunddreihundert, sondern sechstausendundsechshundert Hiebe geben, und alle so vollwichtig, daß man dich dreitausendunddreihundert Büchsenschüsse weit soll schreien hören, und kein Wort erwidere, oder ich will dir die Seele aus dem Leibe reißen.«
Als Merlin dieses hörte, sprach er: »Dies darf nicht so geschehen, denn die Streiche, die der wackere Sancho bekommen soll, muß er freiwillig und nicht mit Gewalt erhalten, auch zu einer Zeit, wenn es ihm gefällig ist, denn es ist kein bestimmter Termin angesetzt; doch ist es vergönnt, daß er seine Geißelung auf die Hälfte herabsetzen darf, wenn er sich von einer fremden Hand streichen läßt, wenn sie auch etwas schwer niederfallen sollte.«"
(Cervantes: Don Quijote 2. Teil, 9. Buch 2. Kapitel)

Die Pläne des Herzogspaars

Sehr groß war das Ergötzen, welches der Herzog und die Herzogin aus der Unterhaltung des Don Quixote und des Sancho Pansa schöpften, und nachdem sie sich in dem Vorsätze bestärkt hatten, ihnen einige Possen zu spielen, die das Ansehen und den Schein von Abenteuern hätten, nahmen sie die Veranlassung von dem, was ihnen Don Quixote schon von der Höhle des Montesinos erzählt hatte, um einen Scherz mit ihm zu treiben, der ausgezeichnet sei. Worüber sich aber die Herzogin am meisten verwunderte, war, daß sie die Einfalt des Sancho so groß fand, daß er selbst zu dem Glauben gekommen, es wäre ausgemachte Wahrheit, Dulcinea von Toboso sei bezaubert, da er doch selbst der Zauberer und der Erfinder dieser Geschichte gewesen war. Nachdem also allen Dienern die Befehle erteilt waren, wie sie sich zu verhalten hätten, führten sie ihn nach sechs Tagen auf eine Schweinsjagd, mit einem solchen Zuge von Jägern und Förstern, wie ihn nur immer ein gekrönter König mit sich führen kann. 
(Cervantes: Don Quijote, 2. Teil 9. Buch 1. Kapitel)

Die Herzogin spricht mit Sancho Pansa über das Buch von Don Quijote

Die Herzogin war aber die erste, welche sprach, indem sie sagte: »Jetzt, da wir allein sind und niemand weiter zuhört, wünsche ich, daß der Herr Statthalter mir einige Zweifel auflöste, die aus der Lesung der Historie entstanden sind, welche von dem großen Don Quixote im Druck erschienen ist. Einer von den Zweifeln ist: daß, da der wackere Sancho die Dulcinea nie gesehen, ich meine die Dame Dulcinea von Toboso, ihr auch keinen Brief vom Herrn Don Quixote überbracht hat, denn er blieb im Taschenbuche im Schwarzen Gebirge zurück, wie er sich hat unterstehen können, die Antwort zu erdichten? wie auch das, daß er sie gefunden habe, Getreide fegend, da alles doch nur ein Spaß und eine Lüge ist und sehr zum[227] Nachteil der guten Meinung von der unvergleichlichen Dulcinea gereicht und außerdem mit der Eigenschaft und Treue der wackern Stallmeister gar nicht übereinstimmt?«
Auf diese Rede sagte Sancho kein Wort; er stand vom Sessel auf und ging mit schleichenden Schritten, den Körper gebückt und den Finger auf die Lippen, durch den ganzen Saal, indem er alle Tapeten aufhob, und als dies getan war, setzte er sich wieder nieder und sagte: »Jetzt, gnädige Dame, da ich gesehen habe, daß keiner versteckt ist und uns zuhört, außer die, welche hier zugegen sind, will ich ohne Furcht und Angst auf das antworten, was Ihr mich gefragt habt und was Ihr noch fragen werdet. Zuerst also sage ich, daß ich meinen Herrn Don Quixote für einen ausgemachten Narren halte, wenn er auch mitunter Sachen spricht, die nach meiner Meinung und nach der Meinung aller, die ihm zuhören, so verständig sind und so in dem schönsten Geleise gehen, daß sie der Satan selbst nicht besser sagen könnte; aber dessenungeachtet bin ich wahrhaftig und ohne allen Zweifel davon überzeugt, daß er ein Dummkopf ist. Da ich mir nur dies in die Phrenesie gesetzt habe, so bin ich so dreist, ihm Dinge weiszumachen, die nicht Hand und nicht Fuß haben, wie damals die Antwort auf seinen Brief und jetzt wieder vor sechs oder acht Tagen, was in der Historie noch nicht steht, das mit der Bezauberung der Dame Doña Dulcinea, von der ich ihm weisgemacht habe, sie sei bezaubert, und die es doch ebensowenig ist wie die Sonne am Himmel.«
Die Herzogin bat ihn, ihr diese Bezauberung oder diesen Spaß zu erzählen, und Sancho erzählte ihr alles, wie es sich zugetragen hatte, woran sich die Zuhörer nicht wenig ergötzten. Die Herzogin fuhr hierauf in ihrer Rede fort: »Aus dem, was mir der wackere Sancho eben vorgetragen hat, geht mir ein Skrupel springend durch die Seele, und wie eine Art von Summen klingt es mir in den Ohren und sagt: ›Wenn Don Quixote von la Mancha ein Narr ist, ein Tor und ein Dummkopf und Sancho, sein Stallmeister, dies weiß, ihm aber dennoch dient und folgt, von jenes eitlen Versprechungen angelockt, so muß er ja ohne Zweifel noch dümmer und närrischer sein als sein Herr. Und wenn dem so ist, wie es denn ist, so wird es von dir, Frau Herzogin, übel getan sein, wenn du diesem Sancho Pansa eine Insel zu regieren gibst; denn einer, der sich selber nicht regieren kann, wie soll der andere regieren?‹«
»Bei Gott, gnädige Frau«, sagte Sancho, »dieser Skrupel ist so uneben nicht! Sagt ihm aber nur – mag er auch laut sprechen, oder wie es ihm gefällt –, daß ich wohl weiß, wie er nur die Wahrheit sagt. Denn wenn ich klug wäre, so wäre ich schon längst von meinem Herrn gegangen; aber das ist nun einmal mein Schicksal und mein Verhängnis. Ich kann nicht anders, ich muß ihm folgen; wir sind aus einem Dorfe; ich habe sein Brot gegessen; ich bin ihm gut, er ist mir gut; er hat mir seine Füllen gegeben; und was das wichtigste ist, ich bin treu, und also ist es unmöglich, daß uns ein anderer scheiden sollte als der mit der Sense. Will Eure Hochfliegenheit nicht, daß ich die versprochene Statthalterschaft kriege, so hat mich doch wenigstens Gott geschaffen, und es kann sein, daß es für mein Gewissen besser ist, wenn ich sie nicht bekomme; denn wenn ich auch dumm bin, so kenne ich doch das Sprichwort wohl: Zu ihrem Unglück sind der Ameise Flügel gewachsen, und darum könnte es wohl sein, daß Sancho der Stallmeister leichter in den Himmel käme als Sancho der Statthalter. 
Cervantes: Don Quijote, 2. Teil 8. Buch 16. Kapitel

Don Quijote begegnet einer Herzogin auf der Jagd

Es geschah nämlich am andern Tage, als die Sonne unterging und sie aus einem Walde herauskamen, daß Don Quixote, indem er seinen Blick über eine grüne Wiese warf, am andern Ende derselben Leute wahr nahm und, als er näher kam, sie für Jäger von einer Falkenjagd erkannte. Er ritt näher hinzu und erblickte unter ihnen eine prächtige Dame auf einem glänzend weißen Zelter, der mit grünen Verzierungen geschmückt war und einen Saumsattel trug, mit Silber ausgelegt. Die Dame war ebenfalls grün gekleidet, und ihr Kleid war so prächtig und reich, daß sie in sich die Pracht selber darstellte. Auf der linken Hand trug sie einen Falken, woraus Don Quixote erkannte, daß sie eine vornehme Dame sei, der alle jene Jäger zugehören müßten, wie es sich auch in der Tat verhielt. Er sagte daher zu Sancho: »Eile dich, Sohn Sancho, und sage jener Dame mit dem Zelter und dem Falken, daß ich, der Ritter von den Löwen, ihrer hohen Schönheit die Hand küsse und daß, wenn mir ihre Hoheit die Erlaubnis gibt, ich sie ihr küssen will und ihr alle meine Dienste widmen, soviel meine Kräfte vermögen und Ihro Durchlaucht mir gebieten wollen. Und denke darauf, Sancho, wie du sprichst; nimm dich in acht, nicht eins von deinen Sprichwörtern in diese Gesandtschaft einzumengen.«

»Bin ich denn wohl ein solcher Dreinmenger?« antwortete Sancho; »ich, und dergleichen? Ei ja! Das ist ja nicht das erstemal in meinem Leben, daß ich hohen und ausgebündeten Damen Botschaften überbracht habe.« [...]
»Wahrlich, wackerer Stallmeister«, antwortete die Dame, »Ihr habt Eure Gesandtschaft mit allen denjenigen Umständlichkeiten abgelegt, die dergleichen Gesandtschaften erfordern. Erhebt Euch vom Boden; denn der Stallmeister eines so berühmten Ritters, wie der von der traurigen Gestalt ist, von dem wir schon viele Kenntnis hier haben, darf nicht auf den Knien liegen. Steht auf, mein Freund, und sagt Eurem Gebieter, daß er es sich gefallen lassen möge, meine und des Herzogs, meines Gemahls, Dienste anzunehmen, in einem Landhause, welches wir hier in der Nähe besitzen.«

Sancho stand auf, in Bewunderung sowohl über die Schönheit der edlen Dame wie über ihre Herablassung und Höflichkeit, noch mehr aber darüber, daß sie von seinem Herrn, dem Ritter von der traurigen Gestalt, schon wußte; daß sie ihn nicht den von den Löwen genannt hatte, müsse, wie er meinte, daher rühren, daß er diesen Namen erst kürzlich angenommen. Die Herzogin – deren Herrschaft auch jetzt noch unbekannt ist – fragte ihn: »Sagt mir doch, lieber Stallmeister, ist Euer Herr nicht derselbe, von welchem es eine gedruckte Historie gibt, die den Titel führt: ›Der scharfsinnige Edle Don Quixote von la Mancha‹, der zur Gebieterin seines Herzens eine Dulcinea von Toboso hat?«
»Es ist derselbe, gnädige Dame«, antwortete Sancho, »und sein Stallmeister, der sich auch in der Historie befindet oder befinden sollte und der Sancho Pansa heißt, der bin ich, wenn sie mich nicht in der Wiege, ich meine in der Druckerei, umgetauscht haben.«
»Alles dieses ist mir unendlich lieb«, sagte die Herzogin. »Geht, Freund Pansa, und sagt Eurem Herrn, daß er mir in meinem Gebiete sehr erwünscht und willkommen ist und daß mir nichts hätte begegnen können, was mir mehr Freude verursacht hätte.« [...]

Der Herzog kündigt seinem Hofstaat die Gäste an und fordert, dass sie wie ein fahrender Ritter und sein Knappe behandelt werden sollen, wie sie im Buche stehen.
[..] augenblicks wurden alle Galerien des Hofes mit Dienern und Dienerinnen angefüllt, welche mit lauter Stimme riefen: »Willkommen sei die Blume und der Ausbund aller irrenden Ritter!« Und alle, oder die meisten, sprengten wohlriechende Wasser auf Don Quixote und die Herzogin. Don Quixote war über alle diese Anstalten sehr verwundert, und dieses war der erste Tag, an welchem er es durch und durch glaubte und fest überzeugt war, daß er ein wahrhafter und kein eingebildeter irrender Ritter sei, da er sich ganz so behandelt sah, wie er gelesen hatte, daß man in vergangenen Zeiten die irrenden Ritter behandelt habe. [...]
Man machte sich tausend verbindliche Komplimente, und endlich nahmen sie den Don Quixote in die Mitte und gingen, sich zu Tische zu setzen. Der Herzog nötigte Don Quixote, den obersten Platz am Tische einzunehmen, und ob er sich gleich weigerte, so waren doch die Einladungen des Herzogs so dringend, daß er ihn einnehmen mußte. Der Geistliche setzte sich gegenüber und der Herzog und die Herzogin zu beiden Seiten.
Sancho war bei allem gegenwärtig und verwundert und höchlich erstaunt über die Ehre, die seinem Herrn von diesen Fürsten widerfuhr; und da er die vielen Zeremonien und gegenseitigen Bitten sah, die zwischen dem Herzoge und Don Quixote vorfielen, wer am Tische obenan sitzen sollte, sagte er: »Wenn mir es Euer Gnaden erlaubten, so wollte ich eine Geschichte erzählen, die sich in meinem Orte von wegen des Niedersitzens zugetragen hat.«
Kaum hatte Sancho dies gesagt, als Don Quixote zitterte, weil er fest überzeugt war, jener würde eine Torheit vorbringen. Sancho sah ihn an, verstand ihn und sagte: »Fürchtet nicht, gnädiger Herr, daß ich mich vergesse oder ein Ding sage, was nicht schicklich sei; denn ich habe das noch gut im Kopfe, was Ihr mir über das Viel- und Wenig-, Gut- und Schlechtsprechen gesagt habt.«
»Ich weiß von nichts, Sancho«, antwortete Don Quixote; »sage, was du willst, wenn du es nur schnell sagst.«
»Was ich also erzählen will«, sagte Sancho, »ist so wahr, daß mein Herr Don Quixote, der hier gegenwärtig ist, mich nicht wird lügen lassen.«
»Meinethalben«, versetzte Don Quixote, »lüge, Sancho, soviel du willst, denn ich will dir nicht hinderlich sein; aber erwäge, was du sagst.«
»Ich habe es so viel hin und her erwogen, daß ich ganz ruhig sein kann, weil ich alle Trümpfe in der Hand habe, wie man aus der Sache selbst erkennen wird.«
»Es wäre gut«, sagte Don Quixote, »wenn Ihre Hoheiten den Narren hinausführen ließen; denn er wird tausend Aberwitzigkeiten sagen.«
»Beim Leben des Herzogs«, sagte die Herzogin, »Sancho soll sich nicht um einen Schritt von mir entfernen! Ich liebe ihn sehr; denn ich weiß, er ist sehr verständig.«
»Verständige Tage«, sagte Sancho, »mögen Eurer Heiligkeit beschieden sein, weil Ihr so gut von mir denkt, ob ich es gleich nicht verdiene. Die Erzählung, die ich vortragen wollte, ist folgende: Es lud ein Edelmann in meinem Orte, der sehr reich und vornehm ist, denn er stammt von den Alamos de Medina del Campo, er verheiratete sich mit der Doña Mencia de Quiñones – die eine Tochter des Don Alonso de Marañon war, eines Ritters vom Orden Santiago, der in der Herradura ertrank –, seinetwegen gab es damals die Händel in unserem Orte, in die, wie ich glaube, mein Herr Don Quixote auch verwickelt war, wo noch der verdrehte Tomasillo verwundet wurde, der Sohn vom Schmied Balvastro. Ist das nicht alles die Wahrheit, mein werter gnädiger Herr? Sagt es doch um Gottes willen, damit diese Herrschaften mich für keinen lügenhaften Schwätzer halten.« [...] 
»Ich sage also, gnädige Herrschaften«, fuhr Sancho fort, »daß dieser Edelmann, den ich wie mich selber kenne, denn sein Haus ist von dem meinigen nicht einen Steinwurf weit ab, einmal einen armen, aber achtbaren Bauer zu sich einlud.«
»Weiter, Freund«, sagte hierauf der Geistliche, »Ihr geht so vorwärts, daß Ihr mit Eurer Erzählung nicht eher als in der anderen Welt fertig sein werdet.«
»Auf dem halben Wege dahin werde ich fertig sein, wenn es Gott gefällt«, antwortete Sancho. »Ich sage also, daß, als dieser Bauer in das Haus des genannten Edelmanns kam, der ihn gebeten hatte – seine Seele ruhe in Frieden, denn jetzt ist er tot. Und zu größerem Wahrzeichen sage ich noch, daß er einen Tod wie ein Engel gestorben ist; ich war aber gerade nicht zugegen, denn ich war damals zum Mähen nach Tembleque gegangen – – –«
»Um des Himmels willen, mein Sohn, kommt schnell von Tembleque zurück, und ohne den Edelmann zu begraben, wenn Ihr nicht mehr Leichenbegängnisse erleben wollt; bringt Eure Erzählung zu Ende.«
»Es kam also«, versetzte Sancho, »daß, als sich die beiden zu Tisch setzen wollten – es ist mir nicht anders, als wenn ich sie noch jetzt vor mir sähe – – –«
Den Herzogen behagte das Mißbehagen sehr, welches der gute Geistliche über das Verzögern und die Pausen merken ließ, womit Sancho seine Geschichte erzählte, und Don Quixote war vor Zorn und Wut außer sich.
»Ich sage also«, sagte Sancho, »daß, als nun, wie gesagt, die beiden im Begriff waren, sich zu Tisch zu setzen, der Bauer mit dem Edelmanne stritt, daß er die oberste Stelle einnehmen möchte; der Edelmann aber bestand wieder darauf, daß der Bauer sie einnehmen sollte, denn in seinem Hause müßte alles so geschehen, wie er es wollte. Der Bauer aber, der sich auch artig und wohlgezogen zeigen wollte, gab es durchaus nicht zu, bis der Edelmann verdrießlich ihm beide Hände auf die Schultern stemmte und ihn mit Gewalt niedersetzte, wobei er sagte: ›Setzt Euch doch, verdrießlicher Mann; denn wo ich mich auch immer hinsetzen mag, werde ich gegen Euch die Oberstelle einnehmen.‹ Und dies ist meine Geschichte, und ich glaube in Wahrheit, daß ich sie nicht bei den Haaren herbeigezogen habe.«
Don Quixote glühte in tausend Farben, die auf der Bräune ihn marmorierten und durchschimmerten. Die Herrschaften verbargen ihr Lachen, damit Don Quixote nicht noch zorniger werden möchte, indem sie die Bosheit des Sancho wohl  begriffen hatten. Um das Gespräch zu ändern und damit Sancho nicht fortführe, neue Albernheiten zu sagen, fragte die Herzogin Don Quixote, welche Nachrichten er von der Dame Dulcinea habe und ob er ihr kürzlich einige Präsente von Giganten oder Mamelucken übersandt, weil er notwendig viele besiegt haben müsse. Worauf Don Quixote antwortete: »Hohe Herrin, mein Unglück hat zwar einen Anfang genommen, wird aber niemals ein Ende finden. Giganten habe ich besiegt und ihr Mamelucken wie Zauberer übersendet; aber wo sollen sie sie finden, da sie verwandelt und in die häßlichste Bäuerin verkehrt ist, die man sich nur vorstellen kann?«
(Cervantes: Don Quijote, 2. Teil, 8. Buch 13. und 14. Kapitel)

16 August 2016

Eichendorff: Ahnung und Gegenwart

Schon bei der ersten Lektüre hat mich die romantisch stilisierte Wirklichkeit der ersten Seiten sehr angesprochen.
Alles ist wie gemalt, ich habe, wenn ich es lese, nie das Gefühl, mit Wirklichkeit zu tun zu haben.
Wie im Märchen oder im Herrn der Ringe ist das Abenteuer nie wirklich bedrohlich, weil es mehr Traum als Wirklichkeit ist.


Ludwig Richter: Überfahrt am Schreckenstein

Bei der Lektüre schwebte mir ein Bild vor, ähnlich wie Richters Überfahrt (s.o.), nur bunter, mit mehr Personen, aus weiterer Ferne gesehen, aber ebenso arrangiert, wo man keinen Augenblick befürchtet, der Mann könnte ins Wasser stürzen, der da höchst labil mit nur einem Bein im Boot stehend, das andere auf den Bootsrand gestellt, ganz in den Anblick des Schreckensteins versunken ist.

Doch nun zum Text: 

Die Sonne war eben prächtig aufgegangen, da fuhr ein Schiff zwischen den grünen Bergen und Wäldern auf der Donau herunter. Auf dem Schiffe befand sich ein lustiges Häufchen Studenten. Sie begleiteten einige Tagereisen weit den jungen Grafen Friedrich, welcher soeben die Universität verlassen hatte, um sich auf Reisen zu begeben. Einige von ihnen hatten sich auf dem Verdecke auf ihre ausgebreitete Mäntel hingestreckt und würfelten. Andere hatten alle Augenblick neue Burgen zu salutieren, neue Echos zu versuchen, und waren daher ohne Unterlaß beschäftigt, ihre Gewehre zu laden und abzufeuern. Wieder andere übten ihren Witz an allen, die das Unglück hatten am Ufer vorüberzugehen, und diese aus der Luft gegriffene Unterhaltung endigte dann gewöhnlich mit lustigen Schimpfreden, welche wechselseitig so lange fortgesetzt wurden, bis beide Parteien einander längst nicht mehr verstanden. Mitten unter ihnen stand Graf Friedrich in stiller, beschaulicher Freude. Er war größer als die andern, und zeichnete sich durch ein einfaches, freies, fast altritterliches Ansehen aus. Er selbst sprach wenig, sondern ergötzte sich vielmehr still in sich an den Ausgelassenheiten der lustigen Gesellen; ein gemeiner Menschensinn hätte ihn leicht für einfältig gehalten. Von beiden Seiten sangen die Vögel aus dem Walde, der Widerhall von dem Rufen und Schießen irrte weit in den Bergen umher, ein frischer Wind strich über das Wasser, und so fuhren die Studenten in ihren bunten, phantastischen Trachten wie das Schiff der Argonauten. Und so fahre denn, frische Jugend! Glaube es nicht, daß es einmal anders wird auf Erden. Unsere freudigen Gedanken werden niemals alt und die Jugend ist ewig.
Wer von Regensburg her auf der Donau hinabgefahren ist, der kennt die herrliche Stelle, welche der Wirbel genannt wird. Hohe Bergschluften umgeben den wunderbaren Ort. In der Mitte des Stromes steht ein seltsam geformter Fels, von dem ein hohes Kreuz trost- und friedenreich in den Sturz und Streit der empörten Wogen hinabschaut. Kein Mensch ist hier zu sehen, kein Vogel singt, nur der Wald von den Bergen und der furchtbare Kreis, der alles Leben in seinen unergründlichen Schlund hinabzieht, rauschen hier seit Jahrhunderten gleichförmig fort. [...] 
Alle wurden bei diesem Anblicke still und atmeten tief über dem Wellenrauschen. Hier bog plötzlich ein anderes fremdes Schiff, das sie lange in weiter Entfernung verfolgt hatte, hinter ihnen um die Felsenecke. Eine hohe, junge, weibliche Gestalt stand ganz vorn auf dem Verdecke und sah unverwandt in den Wirbel hinab. Die Studenten waren von der plötzlichen Erscheinung in dieser dunkelgrünen Öde überrascht und brachen einmütig in ein freudiges Hurra aus, daß es weit an den Bergen hinunterschallte. Da sah das Mädchen auf einmal auf, und ihre Augen begegneten Friedrichs Blicken. Er fuhr innerlichst zusammen. Denn es war, als deckten ihre Blicke plötzlich eine neue Welt von blühender Wunderpracht, uralten Erinnerungen und nie gekannten Wünschen in seinem Herzen auf. Er stand lange in ihrem Anblick versunken, und bemerkte kaum, wie indes der Strom nun wieder ruhiger geworden war und zu beiden Seiten schöne Schlösser, Dörfer und Wiesen vorüberflogen, aus denen der Wind das Geläute weidender Herden herüberwehte.
[...] Das Schiff, worauf die schöne Unbekannte stand, folgte unsern Reisenden immerfort in einiger Entfernung nach. Der Strom war hier so breit und spiegelglatt wie ein See. Da ergriff einer von den Studenten seine Gitarre, und sang der Schönen auf dem andern Schiffe drüben lustig zu:

»Die Jäger ziehn in grünen Wald
Und Reiter blitzend übers Feld,
Studenten durch die ganze Welt,
So weit der blaue Himmel wallt.

Der Frühling ist der Freudensaal,
Viel tausend Vöglein spielen auf,
Da schallt's im Wald bergab, bergauf:
Grüß dich, mein Schatz, vieltausendmal!«

[...]
Friedrich war heute dabei sonderbar zumute. Er war seit mehreren Jahren diese Lebensweise gewohnt, und das Herz war ihm jedesmal aufgegangen, wie diese freie Jugend ihm so keck und mutig ins Gesicht sah. Nun, da er von dem allem auf immer Abschied nehmen sollte, war ihm wie einem, der von einem lustigen Maskenballe auf die Gasse hinaustritt, wo sich alles nüchtern fortbewegt wie vorher. Er schlich sich unbemerkt aus dem Zimmer und trat hinaus auf den Balkon, der von dem Mittelgange des Hauses über die Donau hinausging.  [...] Die Nacht war sehr finster. Als er sich über das Geländer hinauslehnte, glaubte er neben sich atmen zu hören. Er langte nach der Seite hin und ergriff eine kleine zarte Hand. Er zog den weichen Arm näher an sich, da funkelten ihn zwei Augen durch die Nacht an. Er erkannte an der hohen Gestalt sogleich das schöne Mädchen von dem andern Schiffe. Er stand so dicht vor ihr, daß ihn ihr Atem berührte. Sie litt es gern, daß er sie noch näher an sich zog, und ihre Lippen kamen zusammen. »Wie heißen Sie?« fragte Friedrich endlich. »Rosa«, sagte sie leise und bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen. In diesem Augenblicke ging die Stubentür auf, ein verworrener Schwall von Licht, Tabaksdampf und verschiedenen tosenden Stimmen quoll heraus, und das Mädchen war verschwunden, ohne daß Friedrich sie halten konnte. [...]

Erst lange Zeit nachher ging er wieder in sein Zimmer zurück. Aber da war indes alles still geworden. [...] Friedrich machte daher die Tür leise zu und begab sich wieder auf den Balkon hinaus, wo er die Nacht zuzubringen beschloß. Entzückt in allen seinen Sinnen, schaute er da in die stille Gegend hinaus.
»Fliegt nur, ihr Wolken«, rief er aus, »rauscht nur und rührt euch recht, ihr Wälder! Und wenn alles auf Erden schläft, ich bin so wach, daß ich tanzen möchte!« Er warf sich auf die steinerne Bank hin, wo das Mädchen gesessen hatte, lehnte die Stirn ans Geländer und sang still in sich verschiedene alte Lieder, und jedes gefiel ihm heut besser und rührte ihn neu. Das Rauschen des Stromes und die ziehenden Wolken schifften in seine fröhlichen Gedanken hinein; im Hause waren längst alle Lichter verlöscht. Die Wellen plätscherten immerfort so einförmig unten an den Steinen, und so schlummerte er endlich träumend ein.
[...]  Als die ersten Strahlen der Sonne in die Fenster schienen, [...] Friedrich überdachte seine Begebenheit in der Nacht. Es war ihm, als erwachte er aus einem Rausche, als wäre die schöne Rosa, ihr Kuß und alles nur Traum gewesen.

[...] Friedrich blickte bei diesen Worten durchs offene Fenster auf den Strom und die Berge drüben, welche heute Nacht stille Zeugen seiner Glückseligkeit gewesen waren. Jetzt sah da draußen alles anders aus und eine unbeschreibliche Bangigkeit flog durch sein Herz. [...]
Dann stellte er sich ans Fenster. Man sah von dort weit in das Gebirge. Ein Strom ging in der Tiefe, an welchem eine hellglänzende Landstraße hinablief. Die heißen Sonnenstrahlen schillerten über dem Tale, die ganze Gegend lag unten in schwüler Ruhe. Draußen vor der offenen Tür spielte und sang der Harfenist immerfort. Friedrich sah den Wolken nach, die nach jenen Gegenden hinaussegelten, die er selber auch bald begrüßen sollte. »O Leben und Reisen, wie bist du schön!« rief er freudig, zog dann seinen Diamant vom Finger und zeichnete den Namen Rosa in die Fensterscheibe. Bald darauf wurde er unten mehrere Reuter gewahr, die auf der Landstraße schnell dem Gebirge zu vorüberflogen. Er verwandte keinen Blick davon. Ein Mädchen, hoch und schlank, ritt den andern voraus und sah flüchtig mit den frischen Augen den Berg hinan, gerade auf den Fleck, wo Friedrich stand. Der Berg war hoch, die Entfernung und Schnelligkeit groß; doch glaubte sie Friedrich mit einem Blicke zu erkennen, es war Rosa. Wie ein plötzlicher Morgenblick blitzte ihm dieser Gedanke fröhlich über die ganze Erde.

(Eichendorff: Ahnung und Gegenwart 1. Buch Kapitel 1 und 2)

vgl. den Wikipediaartikel zu Ahnung und Gegenwart

Selbstverständlich lohnt es, den Text ohne Auslassungen zu lesen. Mir geht es bei den Auslassungen und bei den durch grünen Hintergrund hervorgehobenen Stellen das Typisch Eichendorffsche herauszuarbeiten. 
Andere mögen es anders lesen. Für mich bleibt der Eindruck des Nichtwirklichen durch den gesamten Roman hin erhalten. 
Übrigens, der Roman wurde 1812 vollendet, Richters Bild 1837 gemalt. Eichendorff konnte das Bild nicht kennen, Richter freilich den Roman.

Wer nicht länger in den Roman hineinsehen möchte, ist eingeladen, sich noch die Stellen anzusehen, die ich vor zwei Jahren  in diesen Blog eingestellt habe. Schon damals ging es mir darum, einzufangen, wie unwirklich das dargestellte Geschehen ist und was mich daran anzieht.

15 August 2016

Märchen von 1001 Nacht

"Aus Sicht der frühesten arabischen Leser hatte das Werk den Reiz der Exotik, es stammt für sie aus einem mythischen „Orient“. Das Strukturprinzip der Rahmengeschichte sowie einige der enthaltenen Tierfabeln weisen auf einen indischen Ursprung hin und stammen dann vermutlich aus der Zeit um 250. Eine indische Vorlage ist nicht überliefert, was allerdings auch für viele andere indische Texte aus dieser Zeit gilt. So wird zwar ein indischer Ursprung vermutet, dass der Kern der Erzählungen aus Persien stammt, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommt, dass zwischen dem indischen und persischen Kulturraum zu jener Zeit enge Beziehungen bestanden.[1]

Persische Urfassung

Die indischen Erzählungen wurden wahrscheinlich unter der Herrschaft der Sassaniden um 500 ins Mittelpersische übertragen und um persische Märchenerzählungen erweitert.[2][3] Das mittelpersische Buch Tausend Erzählungen (persisch هزار افسان – hazār afsān), der Vorläufer der arabischen Sammlung, ist verschollen, wird aber noch in zwei arabischen Quellen des 10. Jahrhunderts erwähnt. Einige Figuren in Tausendundeine Nacht haben überdies reale Vorbilder aus der persischen Geschichte, zum Beispiel den sassanidischen Großkönig Chosrau I. Da die Sassaniden enge kulturelle Kontakte mit dem spätantiken Mittelmeerraum pflegten, haben vermutlich zu ihrer Zeit auch Elemente griechischer Sagen – etwa der Odyssee – Eingang in den Märchenzyklus gefunden."
Seite „Tausendundeine Nacht“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 31. Mai 2016, 10:58 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tausendundeine_Nacht&oldid=154858909 (Abgerufen: 15. August 2016, 02:12 UTC)

13 August 2016

Rustaweli

Schota Rustaweli  * etwa 1172 in RustawiGeorgien; † etwa 1216 in Jerusalem) war ein georgischer Dichter und einer der bedeutendsten Literaten des Mittelalters. Er schrieb das höfische Epos Der Recke im Tigerfell.
Seite „Schota Rustaweli“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Mai 2015, 00:15 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schota_Rustaweli&oldid=142609515 (Abgerufen: 13. August 2016, 18:54 UTC)

"Vep'his tqaosani bedeutet wörtlich Der mit dem Wepchi-Fell. Die Linguisten streiten darüber, ob Wepchi mit Tiger oder Panther übersetzt werden muss. Jedenfalls ist die Bezeichnung eine Metapher für einen Mann, der in Leidenschaften eingehüllt ist. Die Namen der Helden des Epos wurden jahrhundertelang in der georgischen Geschichte verwendet. So gibt es zum Beispiel fünf georgische Königinnen namens Nestan Daredschan sowie mindestens acht namens Thinathin.
Der vom persischen Nationalepos Schahname und weiteren persischen Ritterepen angeregte Recke im Tigerfell wurde Teil der georgischen Volksdichtung. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Text in Georgien von Generation zu Generation mündlich tradiert. Dabei kamen immer neue, von den Erzählern gedichtete, Strophen hinzu. Seit dem 15. Jahrhundert war der Text in verschiedenen Fassungen niedergeschrieben worden. 1712 wurde das Epos im Auftrage Königs Wachtang VI. erstmals gedruckt. Der König versuchte die Urfassung wiederherzustellen und versah sie mit einem Kommentar."
Seite „Der Recke im Tigerfell“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. November 2015, 18:20 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Der_Recke_im_Tigerfell&oldid=147640429 (Abgerufen: 13. August 2016, 18:52 UTC)

"Üblicherweise umfassen Rustvelis Sentenzen eine einzige Zeile einer Strophe, gelegentlich eine ganze Strophe und ausnahmsweise sogar zwei Strophen - hierfür ein Beispiel (Lehren des Königs Rostewan an seine eben gekrönte Mitregentin Thinethin; Str.49/50):
Wie die Sonne gleiche Lichtflut auf Untat und Rosen gießt,
sieh, daß Arm' und Reich du mit gleicher Fürstengnade mißt.
Auch den Trotz bezwing durch Güte, die allzeit bezwingend ist;
spende - wie die Flut, vom vollen Meere kommend, meerwärts fließt.

Offne Hand ist Schmuck des Fürsten, wie des Edens Schmuck Zypressen,
Offne Hand beugt den Gemeinen, sei er noch so ehrvergessen.
Nutzlos ist das Aufgesparte; nützlich, was wir trinken, essen.
Was du gibst, bleibt dein; doch was du speicherst, hast du nie besessen.

Sofern eine Sentenz die ganze Strophe umfaßt, kann man bemerken, daß sie üblicherweise im ersten Vers formuliert, dann in den folgenden Versen amplifiziert wird und im letzten Vers der Strophe ihre Krönung erfährt, wobei eine neue Sentenz erscheint:
Sieh, kein Engpaß hält den Tod auf und kein Steig am Felsenrande.
Stark und schwach und zag und tapfer sind für ihn vom gleichen Stande;
jung und alt vereint der Friedhof, schlägt der Sarg in gleiche Bande.
Besser ist ein Tod in Ehren als ein Leben voller Schande." (Str.800)

https://web.archive.org/web/20081120115918/http://www.fmueller.net/rustaveli_de.html

09 August 2016

Arthur Koestler: Sonnenfinsternis

Das verloren geglaubte Manuskript der deutschen Erst-Fassung ist entdeckt worden.

Arthur Koestler: Die Signaturen der Lebensgefahr faz.net 24.4.16
"1940 schrieb Arthur Koestler einen Schlüsselroman der Stalinära: „Sonnenfinsternis“. Das Originalmanuskript galt als verschollen. Durch Zufall hat es nun ein Kasseler Doktorand wiederentdeckt."

07 August 2016

Bill Bryson: The Road to Little Dribbling

Ich stelle dies Buch und seinen Vorgänger für den Augenblick nur durch Zitate und den Wanderbericht eines Bekannten vor, der eine charakteristisch unspektakuläre, liebenswerte Landschaft beschreibt. Es ist schon wahr, was der Amerikaner Bryson nicht müde wird, zu betonen: Es gibt auf der Welt vielleicht keine Gegend, wo auf engem Raum eine so vielseitig reizvolle Landschaft und so beeindruckende kulturelle Zeugnisse versammelt sind wie auf der größten der Britischen Inseln, das liegt nicht nur am British Museum. Spektakulärer, erhabener, aufregender ist manches andere, was man auf der Welt findet. (Relativ viel davon habe ich in diesem Blog beschrieben gesehen.) Aber ...

"In other coutries they fight over politics and religion. In Britain it is over who gets to walk on a windswept moor. I think that's rather splendid." (Bill Bryson: The Road to Little Dribbling, S.344)

“Suddenly, in the space of a moment, I realized what it was that I loved about Britain - which is to say, all of it. Every last bit of it, good and bad - Marmite, village fetes, country lanes, people saying 'mustn't grumble' and 'I'm terribly sorry but', people apologizing to me when I conk them with a nameless elbow, milk in bottles, beans on toast, haymaking in June, stinging nettles, seaside piers, Ordnance Survey maps, crumpets, hot-water bottles as a necessity, drizzly Sundays - every bit of it. [...]
 What other nation in the world could possibly have given us William Shakespeare, pork pies, Christopher Wren, Windsor Great Park, the Open University, Gardners' Question Time and the chocolate digestive biscuit? None, of course." (Bill Bryson: Notes from a Small Island)

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