21 November 2007

Der Freund und der Fremde

Ich bin am Bücher aussortieren. Bisher etwa 20 Kisten. Nicht aussortieren werde ich das Buch, über das ich nach dem Lesen schrieb:

Ich werde es kaufen. Und sei es wegen des Landauerzitats vom Krähen und dem Kikeriki. („Es ist etwas anderes, ob ich das Krähen nachahme oder Kikeriki sage.“ – „So wie ich es heute lese, ist es die kürzeste Beschreibung des Realismusproblems, also dessen, was das Delirium der Nichtadäquanz von Sprache und Dingen ausmacht.“, sagt dazu Uwe Timm.)

Dies Buch, das mich informiert, dass mein Buch über die Studentenbewegung überflüssig ist. Dass ein anderer das verarbeitet hat, was zu verarbeiten ich mir für später einmal vorgenommen hatte.

Der Timm (Uwe Timm: Der Freund und der Fremde – autobiographisch und über seinen Schulfreund Benno Ohnesorg, das Todesopfer vom 2.6. 1967) bietet - seltener geworden - mal wieder das Leseerlebnis, "mehr", "besser", "tiefer" geworden zu sein durch Lektüre.

17 November 2007

Schopenhauer

Safranski hat in Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie eine Erklärung dafür gegeben, wieso für Schopenhauer der Wille das Grundlegende sei. Unabhängig von jeder Anschauungsform, unabhängig von jeder äußeren Welt erlebe der Mensch ihn in sich selbt.
Die Motive, die Bestimmungsgründe, seien von außen beeinflusst. Weil aber der Mensch den Willen als vor und unabhängig von den Reizen der Außenwelt erlebe, könne er sich auch durch noch so zwingende äußere Motivation vor sich selbst nicht als unfrei, von äußeren Zwängen bestimmt sehen, auch wenn es es zur Verteidigung nach außen gern so darstellen werde. Dabei ist der Wille freilich etwas durch den Charakter des Menschen Vorherbestimmtes, so dass Schopenhauer formulieren kann: „Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.“

14 November 2007

Auf den Straßen Roms


Eine junge Frau allein in Rom, nachdem sie drei Tage nach dem Zusammentreffen mit ihrem Mann, erfahren hat, dass er, der Soldat, zum Afrikakorps muss.
Schwanger, vom Arzt aufgefordert, viel zu gehen, immer unterwegs. Mit Blick auf die vielen Adler. Was sollen die deutschen Adler hier? Aber sie sind auch weniger militärisch, natürlicher, streng freilich auch.
Im evangelischen Diakonissenheim auf die Geburt wartend, so war das Arrangement gewesen. Er als Soldat eine halbe Stunde entfert, sie im Heim. Er jetzt in Afrika.

So geht die Mutter von Friedrich Christian Delius durch die Stadt.
Er nennt sein Buch "Bildnis der Mutter als junge Frau". Die Gedanken der jungen Frau bei ihren ständigen Spaziergängen durch eine Stadt, deren Landessprache sie nicht versteht, deren Geschichte sie nur verschwommen kennt, deren Kunstwerke sie nicht einordnen kann, bezeichnet als Bildnis wie das Werk eines Tizian, Botticelli, Lippi oder Cranach.

Dabei sieht sie viele Bilder, den grüngrauen Tiber mit prächtigen hellen Mauern gerahmt. Aber ein Bild ihrer selbst?

Rezension von Katharina Döbler
in der ZEIT, 8.11.2006

01 November 2007

Entstehung des Doktor Faustus

"Ich muß darin Bescheid gewußt haben, so weit, daß es mir möglich war, sofort mit seinem Motiv-Komplex in toto zu arbeiten, den Anfängen gleich die Tiefenperspektive des Ganzen zu geben ..." (Th. Mann)

Während der Vordingens der Alliierten - nach Abfassung seines Vortrages "Deutschland und die Deutschen" - ist Mann durchaus nicht euphorisch. "Sieghafte Hoffnungslosigkeit" notiert er im Tagebuch und über ein Gespräch mit zwei Schweizern die Befürchtung "Der Sieg wird ärger verspielt werden als das vorige Mal."