24 April 2007

Bloggerideale?

"Aufbewahren, das auf jeden Fall." (S.65)

"Es war unwichtig, ob irgendwann jemand noch je die Nebenlinie des aragonischen Adels im zehnten Jahrhundert erforschen wollte ..., es ging viel mehr darum, daß sich die Vergangenheit als Vergangenheit irgendwo befand und damit weiter existierte, bis die Beschreibung der Welt, gemeinsam mit der Welt, aufgehört hatte." (S.157)

21 April 2007

Grass und Polen

Günter Grass kritisiert die harte Haltung der gegenwärtigen polnischen Regierung, weil sie die Normalisierung der deutsch-polnischen Beziehungen hinausschiebe.

15 April 2007

Vorrede


Groß, - und in strategischer Hinsicht fast unübersehbar war der Flächenraum, auf welchen der Krieg von 1812/1813 geführt wurde, groß waren die Heeresmaßen die man gegeneinander führte und [die] sich für so verschiedenes Intereße stritten, - groß waren die Ereigniße, die theils dieser Feldzug momentan mit sich führte, theils später noch zur Folge hatte, aber größer noch, und in der Geschichte nicht seines gleichen habend, waren die Verheerungen, Auflösungen und das Dahinschwinden der Kriegsmaßen, die Hunderte von Meilen ihrer Heimath entfernt wurden, und - solche meist nie wieder sahen.
Übermäßige Kraftanstrengungen in einem Winterfeldzuge auf den eisigen Gefilden des Nordens, eine anhaltende strenge Kälte von 30. Graden und darüber bei einer Blöße von den notdürftigsten Bekleidungsstücken, die selbst den Insaßen [Einheimischen] gefährdete, - ein vorhergegangenes Kriegsjahr, das schon bei der gewöhnlichen Volkszahl manchen Einwohner mit dem Hungertodte bedrohte, ein größtentheils schlecht organisiertes, oder vielmehr gar kein fest geregeltes Verpflegungssystem, welches auch die wenigen Vorräthe die ja noch hin und wieder bestanden, dem ersten besten der sie ausmittelte, der willkührlichen Vergeudung preisgaben, und zuletzt eine erdrückende Übermacht, dies waren die Hauptursachen, die jener Verheerung zum Grunde lagen.

Schlusswort



... und wenn einst nach Jahren, die jezt aufsproßende Jugend, die Großthaten und Gefahren ihrer Vorfahren aus der Geschichte sich mitteilen, und staunend und kaum glaubwürdig den tiefen Verlust der geopferten deutschen Männer auf den beeißten Gefilden Rußlands aufzählen wird, so wird dann, den noch übrig bliebenen silberbehaarten Greise, die Rückerinnerung an jene unseeligen Tage, nachsinnend ein heiteres und gefälliges Lächeln ablocken, und stolz wird er dann, denen um seine schwankenden Kniee spielenden Enkeln zurufen können: “Auch ich bin einer von jenen Wenigen, der unter namenlosen Leiden dem Feinde und den Elementen Trotz bot, und glücklich wieder auf vaterländischen Boden bei den Seinen anlangte.”

13 April 2007

Lehrer

Alle Lehrer sind ein Schrecknis. Wir im Kultusministerium können ein Lied davon singen. Diese Abc-Pauker wissen alles, und seitdem anno sechsundsechzig der unsinnige Satz in die Mode kam, ›der preußische Schulmeister habe die Österreicher geschlagen‹ - ich meinerseits würde lieber dem Zündnadelgewehr oder dem alten Steinmetz, der alles, nur kein Schulmeister war, den Preis zuerkennen -, seitdem ist es vollends mit diesen Leuten nicht mehr auszuhalten.
(Fontane: Stechlin, 5. Kapitel)

Sohlen der Erinnerung

"Hegels Schuld", dass wir uns zwar vielleicht bewusst sind, dass wir über Vergangenem laufen. Archäologie. Aber dass wir uns immer irgendwie als das Ende, das worauf es hinausläuft, verstehen, statt daran zu denken, wer später über uns laufen wird. (S.92)
(Nooteboem: Allerseelen)

"Was willst du bloß in Deutschland?", fragten niederländische Freunde ihn regelmäßig. Meist klang das dann, als habe er sich eine schwere Krankheit zugezogen. Er hatte sich eine stereotype Antwort zurechtgelegt, die in der Regel ihre Wirkung tat.
"Ich bin gern da, es ist ein ernsthaftes Volk." (Seite 11)

09 April 2007

Feindlicher Überfall bei Reszyce

Den 23. November übernachtete die Avant Garde in Reszyce, bei dem vom Dorf etwas abgebaueten herrschaftlichen Schloße, welches mit einem weitläufigen regelmäßigen Hofraum und einem hinten sumpfigen zum Theil zugefrohrenen Graben umgeben war, über welchen Brücken zu den Ein- und Ausgängen führten, so dass selbiges einem kleinen festen Castell glich. Die Schüzen bezogen das geräumige mit etlichen Stockwerken versehene Schloß selbst, die reutende Batterie wurde auf den Schlossplatz postiert, die Cavallerie hingegen bezog Bivouaq daneben und fand Fourage, Brennmaterialien und mitunter Unterkommen selbst in dem nahe dabei befindlichen geräumigen Oekonomie-Gebäude. –

Vor einem auf der Flucht befindlichen Feinde gesichert zu sein glaubend, war ein feindlicher Ueberfall auf uns, der um Mitternacht erfolgte um so unerwarteter, er war indessen nur ein leichter Anprall und ganz ohne Folgen und Verlust

07 April 2007

Swisloz

Bei diesem Nachsezen erreichten wir am 18. Swisloz, ein dem Grafen Tiszkewicz zugehöriges Städtchen, welches modern und symetrisch gebaut war und beim Eintritt den oberflächlichen Eindruck hervorbrachte, daß man nach Deutschland versezt sey. Der Besizer bewohnte hier ein schönes Schloß und einen wohl unterhaltenen Thiergarten. Die Stadt selbst war nett mit mehreren gut etablirten Geschäften, die große Aushängeschilder hatten, eine gut eingerichtete Apotheke, reinliche, breite Straßen, und bei den Einwohnern selbst herrschte ein Ton und eine Lebensart, die gegen die übrigen polnischen Städte gleichen Ranges sehr auffallend war. Einige angesiedelte Deutsche so wie ihr humaner Besizer selbst, der Kunstfleiß und Wohlstand nährte, hatten jedes ihren bedeutenden Antheil hieran.

Den 20. November passirten wir Rudna, welches bloß der Lage nach noch kenntlich war, der General Sacken hatte solches hinter sich in Flammen aufgehen lassen, um das Nachdringen zu verhindern und nur einen unbedeutenden Vorsprung zu gewinnen.
Die nachtheiligen Ermüdungen von Feind und Clima auch die allmähliche Aufloesung des Corps beurkundeten sich dadurch, dass die beiden Schüzen Regimenter an diesem Tag (20.) ihrer Schwäche halber in Ein leichtes Infanterie Regiment formirt und die Grenadier Bataillons von nun an mit zum Vorpostendienst gezogen wurden. Diese Reduction gab den übrigen Partheyen lebhaften Stoff zu einem memento mori, welches traurige Ahndung bei mehreren bald früher bald später in die Wirklichkeit überging. -

04 April 2007

Gefecht bei Prudzanna

Unser Gegner, zu der Division Lambert gehörig, hatte sich nach Prudzanna zurückgezogen, den Ort selbst besezt und erwartete in der dasigen Ebene unsere Ankunft. Sie erfolgte am Morgen des 10ten Augusts und mit ihr engagirte sich eines der hizigsten Cavallerie-Gefechte, welches sich erst Nachmittags, als der Feind die Flucht ergriff, endigte. Er warf sich gegen Podobna /:halben Weges von Prudzanna nach Kobryn:/ auf das sich dort konzentrirte Haupt Corps des / (S.73) Generals Tormahsov zurück und er hatte auf seiner Retraite von Abtheilungen Oesterreicher, die ihn verfolgten und das Gefecht fortsetzten, noch manchen Verlust. Der unsrige war, obschon das Regiment weder Gebliebene, Vermißte noch Gefangene hatte, bei der Hize und Erbitterung mit der gefochten wurde, dennoch stark an Blessirten; wir zählten 28. Mann, von welchen mehrere sehr schwer verwundet waren und hatten überdies 4. todte 2. vermißte und 11. blessirte Pferde.

An der Grenze

Warten. Es wird kontrolliert. Nicht der eigene Bus, der davor. Stunden. Ein schwarzer Wagen. Darin eine Frau, die auf den Mann schließen lässt, der dazu gehört. So schön und gelangweilt, dass er sehr reich sein muss. Keine Chance, mitgenommen zu werden.

01 April 2007

Der große Stein

Die Verehrung des großen Steins, des Menhirs nahe Uffington, vereint die beiden Maulwürfe Rebecca und Bracken und erlaubt es ihnen, der Gewaltherrschaft Mandrakes des Maulwurftyrannen, zu widerstehen.
Und im ancient system, dem alten Bau, finden sie hinter dem Wurzellabyrinth den kleinen leuchtenden Stein, der die Mitte dieses Systems bildet, und zugänglicher ist als der große Stein, dem zur Wintersonnenwende die Gebete der Maulwürfe Duncton Woods gelten.

(William Horwood: Duncton Wood)