17 März 2007

Napoleons Weg

"Ich ging Napoleons Weg, und wie zu seiner Zeit gab es keine Straßenschilder ..."
Büscher zählt Berge und Flüsse. Nicht sieben Berge, sondern acht. Auf dem Wege nach Kardimowo.

Gefecht bei Wollkowice

Überfall auf Wollkowice
Kaum war Mitternacht hinüber und ein neuer Tag im Beginnen, so erschien der terrainkundige und wahrscheinlich durch von wohlerwünschten Kundschaftern geführte Feind, im Dunkel gehüllt am Städtchen. Sein Hurrah und Feuern in die Häuser weckte auch viele der im tiefsten Schlaf befindlichen Unsrigen und einiger Aufenthalt an der am Eingange des Orts mutvoll vertheidigten Brücke gab noch einigen Generalen und Obern einige Minuten Frist, aus dem Städtchen zu entkommen und sich an die Spitze der indeß gesammelten Truppen zu sezen. Der Feind drang die Überraschung benutzend durch die Stadt gegen unseren Bivouaq vor, der geräumt und Stellung auf den dahinter gelegenen Anhöhen genommen wurde.
Unsere auf dem rechten Flügel erhöht aufgestellte Batterie leistete in dem ersten Moment dieses Überfalls die wesentlichsten Dienste dadurch, daß sie die Ausgänge der Stadt beständig durch Granaten von mehreren Orten zündete, und dadurch über das Ganze eine Freund und Feind unterscheidende Helligkeit hervorbrachte.
Die jenseits der Stadt aufgestellt gewesenen Abtheilungen von uns waren inzwischen durch abgesonderte feindliche Truppen ebenfalls angegriffen und zurückgedrängt worden, und obschon der zweck, sie vom Corps ganz abzuschneiden nicht erreicht wurde, so war der Verlust der Fahne des 2. Batalions Prinz Friedrich August, die der in der Dunkelheit anprallende Feind dem bestimmten Fahnenjunker entrißen umso empfindlicher, da das Corps im Laufe dieses ganzen Feldzugs eine ähnliche Throphée zu erbeuten keine Gelegenheit hatte. - Der Fahnenjunker wurde infsirt [?] und aus den Listen gestrichen.

Das Gefecht dauerte bis Eintritt der Nacht und erneuerte sich mit Anbruch des 16. - Das Corps vertheidigte trotz der feindlichen Übermacht die Position hinter Wollkowice standhaft, und nur der äußersten Bravour der Truppen sowie der vortheilhaften erhöhten Stellung war die Behauptung derselben zuzuschreiben.
Die Cavallerie befand sich an beiden Tagen des Gefechts auf dem linken Flügel des Corps, der sich an das Flüßchen Prohsa lehnte, gegen welches die Anhöhen sanft abfielen, aufgestellt, um den Cavallerie Maßen die der Feind zum Vorschein brachte um uns in die Flanque zu nehmen, einigen Widerstand entgegen zu sezen. Ohngeachtet dem feindl. Corps außer mehreren tausend Kosaken und Baschkiren, 7000 Mann regulaire Cavallerie zu Gebote standen, so konnte er doch auch hier seinen Zweck nicht erreichen, - sie ward von unserer Handvoll Cavallerie dagegen, im Zaum gehalten, und mehrere Angriffe muthvoll zurückgewiesen.
Bei einem am 15. mißglückten Choc des Regiments, an deßen Spize sich der ebenso alte und ehrwürdige als brave Obrist v Engel befand, geschah es, daß selbiger als das Regiment rechts umkehren und retiriren muß[t]e, vom Feind umringt, und mit 11 Wunden wovon mehrere den Kopf trafen, vom Pferd heruntergestochen wurde, doch kaum gewahrte das Regiment den Verlust seines Commandeurs, als es umkehrte, in den Feind eindrang und ihn wieder befreyete! - Es war dies sein leztes Treffen dem er beywohnte, ein unterm Mantel anhabender dicker rußischer Pelz, durch welchen mehrere Piquenstiche nicht durchgedrungen waren, war vielleicht die Schutzwehr seines Lebens. Er kam in die Hospitäler von Grodno und Warschau, und wurde später zwar wieder hergestellt, doch hinsichtlich seines Alters mit Pension entlaßen, und mit GeneralMajorschargen [?] in den Ruhestand versezt.
Die eintretende Nacht und die Erschöpfung der Kräfte gebot den Waffen zwar Ruhe, allein sie konnte ihren Tapferen bei der strengen Kälte und Mangel an Lebensmitteln keine Erholung darreichen.

Wie war in diesem Feldzuge beim Corps der Kraftaufwand größer und die Entbehrung fühlbarer gewesen als in dieser so ahndungsvollen Nacht. - Von früh 3 Uhr wo der feindliche Ueberfall begann, bis späten Abend, bei einer grimmigen Kälte und dabei noch auf einer dem Windzuge von allen Seiten preisgegebenen Anhöhe postirt, hatten die Mannschaften im Gefecht ohne Nahrungsmittel zugebracht und nur die allzu große Erschöpfung konnte die Natur und das strenge Element besiegen und sie statt sehr [?] in eine Art Starrlosigkeit sezen. Ohngeachtet während dieser Nacht die auf die höchsten Puncte postirten Infanteriekadetten alle halbe Stunde abgeloeßt wurden, so hatte doch das Hin und Wiederlaufen in dem ungebahnten Schnee bei einigen die letzten Kräfte erschöpft, und erstarrt und entseelt wurden sie von der Abloesung aufgefunden.
Der Donner der Geschüze rufte am 16. früh zum neuen Kampfe, der mit gleicher Erbitterung wie Tages vorher begonnen und fortgeführt wurde, und wer weiß ob nicht am Ende die Tapferkeit der gänzlichen Erschöpfung und feindlichen Übermacht hätte unterliegen müßen, wenn nicht Nachmittags spät der Fürst Schwarzenberg mit der ersehnten Hilfe einer Colonne Oesterreicher von Zelbice her, dem bedrängten Corps zur Unterstützung kam. Seine Ankunft, die sich schon aus der Ferne durch Angriff mit Kanonendonner auf den feindlichen Flügel und kund that, nahm das feindliche Corps nunmehr zwischen zwey Feuer, der letzte Rest von Kraft erhob sich wieder, die beiderseitigen Batterien schienen durch ein auf die Stadt gerichtetes sich kreuzendes Feuer in der lezten Crisis zu liegen, die von den Bergen herunterstürzende Infanterie nahm die Stadt mit Sturm, der Feind floh allenthalben, und - der vollständige Sieg, den Muth und Ausdauer davongetragen unterlag nunmehr keinem Zweifel mehr. Die Oesterreicher vollendeten durch Nachsezen die Niederlage des Feindes und rundeten durch reiche Beute die Früchte des Tages, während das 7. ArmeeCorps der so bedürfenden Ruhe zu pflegen sich bei Wollkowize lagerte und auf den Trümmern der Stadt sowohl als aus ihrer Nähe sich einige Erquickung zu verschaffen suchte.

Das Corps hatte in diesen Tagen verhältnismäßig mehr Bleßirte als Gebliebene, was sich von der erhoehten Stellung des Corps herschrieb, indem der Fein viel zu tief schoß. Die Menge der Bleßirten welche in die Füße verwundet waren, liefertte den augenscheinlichsten Beweis hiervon. Das Regiment verlohr durch die feindliche Batterie eine betraechtliche Anzahl Pferde. Ein einziger Schuß streckte deren vier auf einmal darnieder. Der gesamte
Verlust des Regiments bestand in diesen Tagen in 1 Mann 11 Pferde Geblieben , 8 Mann 23 Pf. vermißt und 19 Mann 6 Pferde Bleßirten.
So wie das gesammte Corps sich in diesem Gefechte mit Ruhm bedeckte, so verdient die zu demselben gestoßene franz. Division Durotte nicht minder einer ehrenvollen Erwähnung hierbei. Sie focht nicht bloß für Leben und Freiheit, als vielmehr für Ruhm und Ehre, weil nur eine dergleichen wiederholte Auszeichnung sie in die Kategorie der französischen LinienRegimenter stellen, und ihnen Adler und Ehrenzeichen zutheil werden lassen konnte.

16 März 2007

Freies Land

"Deutsche", lachte er, "Soldaten. Ihr habt hier nichts verloren. Nicht in Rußland und nicht in Sibirien."
"Wir suchen hier auch nichts. Wir wollen weg."
"Ha", er lachte weiter und schlug sich auf die Schenkel, "habt ihr ein Glück, daß ihr zu Aolski gefunden habt. Wenn ihr arbeitet, nehme ich euch mit, bis sie euch am Ufer vergessen haben." Er zeigte zu den beiden Ufern. "Dort ist Sowjetunion, dort ist Sowjetunion, aber hier ist ein freies Land. ..."

Osten

Für alle ist Osten das Schlechtere. Die Brandenburger sehen ihn in Polen anfangen, die Westpolen hinter Warschau, die Ostpolen in Weißrussland. Nur Moskau. "Moskau ist wieder Westen."

11 März 2007

Verfolgung

Feindliche Retraite nach Brezesc
Das Regiment brach den 17. Novbr. früh 5 Uhr von Wolkowize auf, und nahm an der Verfolgung des in der größten Bestürzung fliehenden Feindes Antheil. Es hielt nicht schwer ihn aufzufinden, denn alle über Swislocz, Weti, Krinky und Rudna führenden Wege waren mit feindlicher Infanterie, die vor Ermattung liegen geblieben, gleichsam bedeckt, ohne große Gegenwehr konnte man ganze Trupps von ihnen zusammenbringen, die mit der größten Resignation ihrem Schicksal folgten. –
Hätte das österreichische Corps, das dem Feinde immer zur Seite war, einen kleinen Vorsprung zu gewinnen gesucht um den Engpass bei Rudna, den der Feind auf seiner Retraite nach Brezesc paßiren mußte, vor ihm zu erreichen, so würden ganze Abtheilungen des Sackschen Corps zu capituliren genötigt gewesen seyn, und es würde sein ungestümes Vordringen mit dem Verluste seines sämtlichen Geschüzes haben büßen müssen, von welchen er außerdem schon mehrere Lafetten stehen ließ, deren Rohre in die Sümpfe waren versenkt worden. Ob Saumseligkeit oder Plan dem Feinde diesen Paß zu entkommen offen ließ, mögen in die damalige Politik höher Eingeweihte entscheiden – des Laye, der alles nach dem Augenschein und der gesunden Vernunft urtheilte, schüttelte bedachtsam den Kopf hierüber und verwunderte sich. -

Vitebsk

Endlich wieder Fernsehen. Ein Hochhaus in Rauch. Männer schauen es sich an. Frauen gehen weiter. Es ist der 11. September.

10 März 2007

Ancient System

Bracken heard them move off across the floor of the wood, back towards the slopes. Painfully he raised himself up, his left shoulder now stiff and almost lame, and pointed his snout forward into the Ancient System. which after so many generations, had at last opened its tunnels to a mole again.
(William Horwood: Duncton Wood)

03 März 2007

Urteil

»Heil? Was heißt heil? Die wird nich wieder.«
»Is eigentlich schade drum.«
»I wo. Gar nich... Das kommt davon.«

So lässt Fontane die Vermieterin Polzin über seine Heldin Stine sprechen und gibt damit sein moralisches Urteil über deren Haltung ab, so wie er zuvor sein Urteil über die "untadelige Haltung" der gräflichen Familie von Haldern angesichts des Freitods des Grafen Waldemar in folgende Worte gefasst hatte:

"Die Kirche hatte sich, als der Sarg unmittelbar über der Gruftsenkung niedergelassen war, auf all ihren Plätzen gefüllt, und auch die seit dem Tode Friedrich Wilhelms IV. sonntäglich meist leerstehende herrschaftliche Loge, heute war sie besetzt. In Front erblickte man den alten Grafen, Waldemars Vater, in grauem Toupet und Johanniterkreuz, neben ihm in tiefer und soignierter Trauer die Stiefmutter des Toten, eine noch schöne Frau, die, was geschehen war, lediglich vom Standpunkte des »Affronts« aus ansah und mit Hilfe dieser Anschauung über die vorschriftsmäßige Trauer mit beinahe mehr als standesgemäßer Würde hinwegkam. Hinter ihr der jüngere Sohn (ihr eigener), Graf Konstantin, dem der ältere Bruder, um das mindeste zu sagen, in nicht unerwünschter Weise Platz gemacht hatte. Seine Haltung war untadelig ..."
(Theodor Fontane: Stine, 1890)